Die Anfänge...

Eine Grillparty an einem lauen Septemberabend am Ufer der Weichsel in der Nähe von Torun (Thorn) in Polen. Würste gab es, polnische Steaks, Wein und Bier und anwesend waren über zwei Dutzend Wissenschaftsjournalistinnen und –journalisten vor allem aus West- und dem damaligen Osteuropa.Da nahm 1973 die Idee der Gründung des Schweizer Klubs für Wissenschaftsjournalismus ihren Anfang.

 

Von Rosmarie Waldner (2004) 

 

Eingeladen hatte die Unesco und aus jedem Land kamen zwei Delegierte. Die Genfer Wissenschaftsjournalistin Jacqueline Juillard, Mitglied der schweizerischen Unesco-Kommission, hatte neben sich mich, die Wissenschaftsjournalistin aus Zürich, als Zweitperson vorgeschlagen. Und so kam ich in den Genuss der Reise nach Polen. Es ging um den 500. Geburtstag des Astronomen Nikolaus Kopernikus und seine Geburtsstadt Torun war Hauptziel der Reise. Erstmals in meiner Berufskarriere traf ich auf so viele Kolleginnen und Kollegen aus andern Ländern. Und an jenem Abend an der Weichsel hatten wir es lustig, diskutierten und lachten viel über die Vorzüge des Kapitalismus und des Kommunismus und feierten feierliche Verschwesterung oder Verbrüderung.   «Wo sind denn eigentlich die Schweizer?» fragten Hugo Obergottsberger aus Österreich und Heinz Rieger aus der Bundesrepublik Deutschland. Sie spielten damit auf die Mitgliedschaft in der Europäischen Union der Gesellschaften der Wissenschaftsjournalisten (EUSJA) an, die es seit wenigen Jahren gab und die damals zehn westeuropäische Mitglieder zählte. Die Schweizer waren nirgends, weil es keinen Klub gab und in diesen Dachverband nur Gesellschaften, nicht Einzelne als Mitglieder aufgenommen wurden.  

 

Klubgründung

Ich kehrte mit dem Vorsatz aus Polen zurück, mich der Sache anzunehmen. Von den wenigen einschlägigen Pressekon- ferenzen, die es damals gab, kannte ich ein paar unserer inzwischen alt gedienten oder leider verstorbenen Klubmitglieder. Ein paar Telefonate und Vorbereitungsgespräche genügten: Wir trommelten rund 25 Kolleginnen und Kollegen zur Gründungsversammlung am 23. Januar 1974 ins Restaurant Du Nord am Zürcher Bahnhofplatz zusammen. Im Gründungsvorstand sassen Jean-Jacques Daetwyler als Freier und Vertreter der Romandie, Rudolf Flury vom Fernsehen DRS, Ueli Götz von der BaZ, Rolli Jeanneret vom Radio DRS, Kurt Meyer von der NZZ, Peter Ronner von der Weltwoche und ich selber vom Tages-Anzeiger als Präsidentin. Statuten mussten her zuvor – wir bekamen als Vorlage diejenigen unserer österreichischen Kollegen vom Klub für Bildungs- und Wissenschaf tsjournalisten und schrieben diese mehr oder weniger ab. Natürlich aber wurden sie mit helvetischen Abänderungen gespickt. (Eine weitere Abschreibübung fand drei, vier Jahre später statt, als der deutsche Arbeitskreis der Medizinjournalisten mit gütiger Unterstützung durch unsere Statuten gegründet wurde.) Da die Schweiz ein multikulturelles Land ist, war eine Übersetzung ins Französische unabdingbar. Die welsche Person, die uns helfen konnte, war Guy Burnand, damaliger Mitarbeiter und Informationsbeauftragter der Schweizerischen Gesellschaft für Chemische Industrie. Ich erinnere mich gut an eine heitere Übersetzungsrunde bei mir zu Hause, beflügelt durch ein Nachtessen und einige Gläser Wein. Dann, als alles nach Obligationenrecht konform war, stellten wir den Antrag zur Aufnahme in die EUSJA, dem auch gleich noch im Frühling 1974 stattgegeben wurde. Seither stand und steht die EUSJA dreimal unter Schweizer Präsidentschaft (Werner Hadorn und Rosmarie Waldner).

 

Gesundheitsseminare

Ebenfalls im Gründungsjahr 1974 fand bereits das erste Gesundheitssminar statt, vom Klub zusammen mit der Pharmainformation unter Frank Bridel organisiert. Auf dem Feusiberg am oberen Zürichsee fanden sich brav manche Grössen aus der damaligen Welt der Medizin und des Gesundheitswesens ein. Es war eine gegenseitige ‹Kropfl eerete› und endete mit dem Vorsatz, dem Malaise mit den später thematisch bestimmten Seminarien abzuhelfen. 29 Gesundheitsseminare sind inzwischen über die Bühne gegangen, an vielen schönen Orten, mit vielen interessanten Menschen. Ursprünglich dauerten sie von Donnerstagabend bis Samstagmittag und boten auch Gelegenheit zum gemeinsamen Spaziergang (Sonnenaufgang auf dem Rigi zum Beispiel) oder Kegelschub. Unvergessen bleibt der Ausspruch des früheren Zürcher Chirurgenbosses Hans-Ulrich Buff an einem dieser Seminare:   «Idioten sind mir die liebsten Patienten.» Natürlich ein gefundenes Fressen für ein Zitat im Bericht – und ebenso natürlich mit geräuschvollem Nachspiel. Ja, und was waren die vordringlichen Aufgaben des Klubs? Ein Bewusstsein zu schaffen für den Wissenschaftsjournalismus – das gab es als solches noch nicht – und bessere Informationsquellen zu erschliessen. Nur die ETH hatten mit Peter Käfer in Zürich und Claude Comina in Lausanne und die Uni Zürich mit Rolf Guggenbühl so etwas wie einen Pressedienst. Beim Schweizerischen Nationalfonds gab es nur einen Dokumentationsdienst. So machte sich alsbald eine kleine Klubdelegation zu Olivier Reverdin auf, dem Genfer Ständerat und SNF-Präsidenten, der wie ein Geheimrat direkten Zugang zum Vorsteher des Eidg. Departementes des Innern hatte und pfl egte, uns Journalistinnen und Journalisten als lästige Nummern empfand und uns dies auch zu verstehen gab. Es dauerte dann noch ein Weilchen, bis beim Nationalfonds ein Pressedienst eingerichtet wurde, welcher seinen Namen verdiente.

 

Bulletin

Ein Bulletin produzierten wir auch von Beginn an. Getippt habe ich es höchstpersönlich im Vier-Finger-System auf meiner handlichen Hermes Baby. Entsprechend handgestrickt sah es aus. Vervielfältigt – erst in späteren Jahren fotokopiert – wurde es im Redaktionssekretariat des Tages-Anzeigers. Dort sass auch unsere Klubsekretärin, die erste war Catalina Deutsch. Ob unsere Kasse oder der TA für sie bezahlte, habe ich vergessen – zumindest die Porti für unsere Versände übernahm mein damaliger Arbeitgeber. EUSJA Der Klub nahm seine europäische Verpfl ichtung ernst und lud bereits 1976 Kolleginnen und Kollegen aus der EUSJA zu einer Informationsvisite nach Davos ein. Besuchsziele waren die Osteosynthese-Pioniere am Spital, die Schnee- und Lawinenforscher und die Strahlungsexperten. Es waren damals noch goldige Zeiten: Die noch nicht marode Swissair zahlte die Tickets, der Tourismuschef von Davos lud zum Apéro im Nostalgiewagen der Rhätischen Bahn ein und mitten in der Hochsaison im Februar die etwa 25-köpfi ge Schar ins teure Hotel Belvedère. Und zahlte eine denkwürdige Schlittenfahrt nach Mondstein, wo es mit Ländlermusik und genügend Tranksame hoch zu und her ging.

 

Klubreisen

Die erste grosse Klubreise unternahmen wir 1979 zusammen mit den deutschen Kollegen vom Arbeitskreis der Medizinjournalisten in die USA, wo unser ein ungeplantes ‹Highlight› harrte: Der Beinahe-Atomgau in Three Miles Island bei Harrisburg. Etliche von uns nutzten das Wochenende, um vom nahen Washington aus den Schauplatz aufzusuchen. Die Reiseserie setzte sich 1982 fort mit der ungewöhnlichen Ostafrika-Reise, wo wir trotz geschlossener Grenze zwischen den damals verfeindeten Staaten Kenia und Tansania diese beiden besuchen konnten. Es ging vor allem um medizinische Themen. In Tansania herrschte tiefster Sozialismus. Es gab nur wenig zu essen – wir nahmen alle ab, - aber Frank Bridel von der Pharmainformation, der geholfen hatte zu organisieren und mit dabei war, sorgte dafür, dass wir genügend vom lokalen Dodoma-Wein bekamen. Wein aus Tansania? Ja, italienische Missionare hatten im 19. Jahrhundert nicht geruht, bis sie dem kärglichen Boden im tansanischen Hinterland Weinreben abgetrotzt hatten. Der Wein war sicher nicht erstklassig, aber er tröstete uns über die fehlenden Glühbirnen in den Zimmern und den Mangel an Seife oder Toilettenpapier hinweg. In Kenia dagegen ging es fürstlich zu, noch mit kolonialem Touch mit Early Morning Tea frühmorgens ans Bett.

 

Ich trat nach sechs Vorstandsjahren als Präsidentin zurück und mein Nachfolger wurde André Ratti. Alle, die diesen Vollblut- TV-Mann gekannt haben, wissen, dass er mit seinem Ideenreichtum für eine gedeihliche Entwicklung des Klubs sorgte – und so blieb es unter den nachfolgenden Präsidiums- und Vorstandsmitgliedern bis zum heutigen Tag.